Strategien gegen diabetische Nervenschäden

Wie können diabetesbedingte Nervenschäden, die diabetische Neuropathie, ursächlich behandelt werden? Über aktuelle Erkenntnisse berichteten Experten anlässlich des Diabetes-Kongresses am 24. Mai 2017 in Hamburg.

Hamburg – Die Füße schmerzen, kribbeln oder brennen. Unter diesen Beschwerden leiden viele Menschen mit Diabetes, wenn der erhöhte Blutzucker ihre Nerven angegriffen und eine diabetische Neuropathie verursacht hat. Trotz dieser unangenehmen Symptome ist vielen Betroffenen nicht bewusst, dass sie an dieser häufigen und schwerwiegenden Folgeerkrankung des Diabetes leiden. Noch höher ist die Dunkelziffer, wenn die Nervenschädigung nicht schmerzhaft verläuft, sondern zu Taubheit und einem nachlassenden Gespür in den Füßen führt. Das zeigen die alarmierenden Ergebnisse der PROTECT-Studie, deren aktuelle Auswertung der Studienleiter Prof. Dr. Dan Ziegler, Stv. Direktor am Institut für Klinische Diabetologie des Deutschen Diabetes Zentrums der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, anlässlich des diesjährigen Diabetes-Kongresses vorstellte (1). Etwa jeder zweite der 1.850 Studienteilnehmer zeigte Anzeichen einer Neuropathie – 70 % von ihnen wussten zuvor nicht, dass sie von einer Neuropathie betroffen sind. Früherkennung und Wissen über die Erkrankung sind aber wichtige Voraussetzungen, um die Nervenschädigung aufhalten zu können und schwerwiegende Folgen zu vermeiden, betont der Diabetologe. Denn die Neuropathie ist Hauptursache für das Diabetische Fußsyndrom, das schlimmstenfalls Amputationen nach sich zieht.

Gewusst wie: So schützt man sich vor Nervenschäden

Wichtigste Maßnahme gegen Folgeerkrankungen des Diabetes wie die Neuropathie ist eine gute Blutzuckereinstellung, wie Dr. Matthias Riedl, Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer der medicum Hamburg MVZ GmbH, verdeutlichte. Dazu könne der Patient durch seinen Lebensstil aktiv beitragen: Der Ernährungsmediziner und Diabetologe rät, beim Typ-2-Diabetes eine Remission, also ein Zurückgehen des Diabetes, durch eine Ernährung mit ausreichender Proteinzufuhr und viel Gemüse anzustreben. Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel sollten nach Umfang der körperlichen Bewegung dosiert werden und ballaststoffreich sein. Eine Remission wirke der weiteren Entwicklung einer diabetischen Neuropathie entgegen.
Zudem sollten die Nerven nicht durch Nikotin und Alkohol belastet werden. Besonders wichtig sei Bewegung: Sie helfe, sowohl den Blutzucker zu senken als auch Übergewicht zu reduzieren. Und schließlich trainiere man damit auch wertvolle motorische Kompetenzen, die durch eine nachlassende Sensibilität in den Füßen häufig beeinträchtigt sind.

Vitamin B1-Mangel fördert Neuropathien

Auch ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) kann bei diabetischen Nervenschäden eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen: Der gestörte Zuckerstoffwechsel steigert den Bedarf an dem Vitamin. Gleichzeitig wird es häufig vermehrt über die Nieren ausgeschieden. Daher besteht bei vielen Diabetikern ein eklatanter Vitamin-B1-Mangel (2-4). Dieser Mangel fördert wiederum Neuropathien. Das Vitamin nimmt nämlich im Zuckerstoffwechsel eine Schlüsselfunktion ein. Bei einem Defizit häufen sich schädliche Zucker-Abbauprodukte an, die Nerven und Blutgefäße erheblich schädigen können (7).

Um diesen Mangel auszugleichen, wendet man eine fettlösliche Vorstufe des Vitamin B1 an, das Benfotiamin (z.B. als milgamma protekt rezeptfrei in Apotheken erhältlich): Damit gelangt das Thiamin nach oraler Einnahme in wesentlich höheren Konzentrationen in den Körper und in die Zellen als nach Einnahme wasserlöslicher Thiamin-Verbindungen (5,6). So behebt das Provitamin wirksam einen nerven- und gefäßschädigenden Mangel. Welchen spürbaren Nutzen das für die Betroffenen haben kann, zeigen klinische Studien, in denen Benfotiamin Symptome der diabetischen Neuropathie wie Kribbeln, Brennen und Taubheit in den Füßen linderte (8,9).

Nicht zuletzt sollten Betroffene achtsam mit ihren Füßen umgehen. Denn bedingt durch die Nervenschädigung sind sie anfällig für Wunden, die häufig nicht wahrgenommen werden. Dr. Riedl rät daher, bequeme, passende Schuhe zu tragen, die ausreichend Schutz bieten, die Füße täglich zu kontrollieren und gut zu pflegen.

 

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Quellen:

 1.    Pressekonferenz der Aufklärungsinitiative „Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“ und von WÖRWAG Pharma am 24. Mai 2017 anlässlich des Diabetes-Kongresses 2017 in Hamburg. Die Aufklärungsinitiative wurde von WÖRWAG Pharma in Zusammenarbeit mit der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS) und einem wissenschaftlichen Beirat ins Leben gerufen, um Früherkennung und Prävention der diabetischen Neuropathie zu fördern.
2.    Thornalley PJ et al. High prevalence of low plasma thiamine concentration in diabetes linked to a marker of vascular disease. Diabetologia 2007; 50: 2164-2170
3.    Nix WA et al. Vitamin B status in patients with type 2 diabetes mellitus with and without incipient nephropathy. Diabetes Res Clin Pract. 2015 Jan;107(1):157-65
4.    Page GLJ et al. Thiamine Deficiency in Diabetes Mellitus and the Impact of Thiamine Replacement on Glucose Metabolism and Vascular Disease. Int J Clin Pract 2011; 65, 6: 684-690
5.    Xie F et al. Pharmacokinetic Study of Benfotiamine and the Bioavailability Assessment Compared to Thiamine Hydrochlorid. J Clin Pharmacol. 2014 Jun; 54(6):688-95
6.    Schreeb K.H. et al. Comparative bioavailability of two vitamin B1 preparations: benfotiamine and thiamine mononitrate. Eur J Clin Phamacol 1997; 52: 319-320

7. Hammes HP et al. Benfotiamine blocks three major pathways of hyperglycemic damage and prevents experimetal diabetic retinopathy. Nature Medicine 2003; 9,3: 294-295
8.    Stracke H et al. Benfotiamine in diabetic polyneuropathy (BENDIP): Results of a randomised, double blind, placebo-controlled clinical study. Exp Clin Endocrinol Diab 2008; 116: 600–605
9.    Haupt E et al. Benfotiamine in the treatment of diabetic polyneuropathy - a three-week randomized, controlled pilot study (BEDIP Study). Int J Clin Pharmacol Ther 2005; 43: 71-77



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